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Niemals hätte ich gedacht, dass so etwas Besonderes in diesem Urlaub passieren würde. Der Urlaub startete etwas stressig, mit Schlafmangel von der vorherigen Hochzeit, dann Flug gecancelt und langer Wartezeit am Frankfurter Flughafen. Aber wir kamen dann mit viel Verspätung am Sonntag Abend der letzten Mai Woche im AirBnB zwischen Barcelona und Lloret an. Das AirBnB lag etwas im Hinterland und die Umgebung war ziemlich verlassen bis auf die Wachhunde, die ihren Job sehr ernst nahmen. Wir waren zu acht unterwegs mit Freunden aus Karlsruhe und hatten einen eigenen Pool am Haus. Es tat gut, für fünf Tage auf den Pauseknopf der Hustlephase zwischen Arbeiten, Alltag, Hochzeiten und Festen zu drücken. Wir verbrachten die Tage abwechselnd entweder am Pool oder Strand. Am letzten Tag wollten wir noch nach Barcelona gehen, bevor wir dann wieder nach Hause flogen. Eigentlich wäre der Urlaub so kurz zusammengefasst eigentlich erzählt. Klar, wir hatten jede Menge Spaß, haben viel gelacht und gegessen und es uns gut gehen lassen. Die Tischtennis-Platte am Haus war unser Place to be zwischen Einkaufen, Lesen, am Pool chillen, und Spiele spielen. Doch wenn das nur der Urlaub gewesen wäre, hätte ich den Einleitungssatz anders geschrieben. Denn es ist noch etwas wunderbar Überraschendes passiert. 
Am Donnerstag, also am vorletzten Tag des Urlaubs, sind wir nochmal an den Strand gefahren. Ich hatte sehr schlecht geschlafen und war mit den Gedanken ganz in meiner eigenen Welt der Unzufriedenheit. Ich kenne diese Welt sehr gut. Da dreht es sich nämlich um mich selbst. Wir hatten im Urlaub sehr viel gegessen, viel mehr als ich sonst zuhause esse. Ich fühlte mich unwohl in meinem Körper insbesondere im Bikini. Ich spürte, dass ich zugenommen hatte und ich malte mir aus, welcher Anstrengung ich mich zum Abnehmen wieder aussetzen musste. Ich hatte zudem nicht geduscht und hatte fettige Haare. Wer duscht schon vor dem Strand? Und ich hatte Kopfweh. Wenn du aufmerksam gelesen hast, hast du vielleicht gemerkt, dass fast jeder Satz mit "Ich" angefangen hat. Denn genau das ist das Merkmal, das mir zeigt, dass ich mich wieder in der Welt der Unzufriedenheit befinde. Anstatt im Außen zu sein, bei meinen Mitmenschen, in der Aufmerksamkeit, was Gott mir heute schenken möchte, bin ich ganz im Innen und nehme nur meine negativen Gedanken wahr. Du kannst dir also nun vorstellen, in welchem Zustand ich mich befand. Wir fuhren zum Strand mit unseren zwei Mietautos. Mein Freund hat sich auch noch verfahren und ich war genervt, dass wir später ankamen als die anderen. Am Strand angekommen, breitete ich mein Handtuch aus und wollte mich gerade hinlegen, um zu schlafen und danach zu lesen, als mein Freund mich fragte, ob wir nicht noch Bilder machen wollten, bevor wir nass wären. Ich wollte keine Bilder machen, denn ich war ja in meiner Welt der Unzufriedenheit gefangen. Ich antwortete also, dass ich keine Lust hatte, Bilder zu machen. Er blieb hartnäckig und fragte, ob ich dann wenigstens Bilder von ihm machen könnte als Erinnerung. Ich willigte widerwillig ein und zog nur meine lockerer Jeansshorts über meinen roten Bikini. Wir liefen am Strand Richtung Westen und kletterten über ein paar Felsen. Ich machte ein paar Bilder von ihm mit seiner Kamera. Er war einfach so fotogen. Dann bestand er drauf, auch ein paar Bilder von mir zu machen. Ich wollte aber nur Bilder von hinten, damit man mein Gesicht und die fettigen Haare nicht sah. Das einzige, was ich an mir schön fand, waren meine Nägel, die ich für die Hochzeit und den Urlaub selbst gemacht hatte. Er machte also ein paar Bilder von hinten und ich stand einfach da und schaute auf das weite Meer hinaus....und schaute auf das weite Meer hinaus...bis er meinen vollen Namen rief. Ich drehte mich um, da ich dachte etwas falsch gemacht zu haben. Doch da kniete er und streckte mir eine Ringschatulle entgegen und fragte mich, ob ich den Rest meines Lebens mit ihm verbringen möchte und ob ich ihn heiraten möchte. Ich war völlig sprachlos und wollte gar nicht dass er kniete, daher zog ich ihn hoch und umarmte ihn und brachte kein anständiges Wort raus. Dann sagte er, dass ich jetzt schon etwas antworten müsste. Und ich dann JA!! ich möchte ihn heiraten. Da holte er aus einem Beutel bei den Felsen eine Sektflasche und zwei Gläser hervor und wir kletterten noch etwas höher, setzten uns auf einen Stein und ließen den Korken übers Meer knallen. Wir baten einen Familienpapa, ein Bild von uns zu machen (jetzt wollte ich auch eins, und es war weiter weg). Mein Zustand hatte sich von einer Sekunde auf die Nächste komplett gewandelt. Von Unmut und Frust zu überschwänglicher Freude. Dieser Moment befreite mich aus meiner Welt der Unzufriedenheit und richtete meine Seele auf. Das Gefangensein in meinen eigenen negativen Gedanken hatte mich blind gemacht für mein Umfeld. Mein Freund hatte an dem Tag ein weißes Leinenhemd an, hatte sich zudem frisch rasiert (das macht er im Urlaub nicht) und hat Parfüm aufgetragen (das macht er im Urlaub nur zum Weggehen). Ich hätte also schon wahrnehmen können, dass etwas anders ist, als sonst. Rückblickend die Verlobung so erzählen zu können, ist ja auch etwas witzig. Aber es machte mich auch traurig, darüber nachzudenken, wie viel ich an anderen Tagen an Schönem vielleicht nicht wahrnehmen konnte, weil ich in meiner eigenen Welt gefangen war? Ich dachte auch darüber nach, ob ich lieber eine Verlobung an einem anderen Tag gehabt hätte, an dem ich mich mit mir selbst wohler gefühlt hätte. Diese Frage kann ich verneinen. Denn beim Reflektieren ist mir aufgefallen, dass in dem Moment meiner großen Unzufriedenheit und Enttäuschung über mich selbst, das Ja von meinem Freund für mich, der Moment der Befreiung war. Befreiende Liebe. Seine Entscheidung, mich an diesem Tag trotz meiner Laune und genau mit diesem Körper anzunehmen und sich die Zukunft mit mir gemeinsam vorzustellen, ist der größte Liebesbeweis für mich. Diese Liebe wünsche ich jeder Frau in ihrer Beziehung. Man braucht kein romanisches Picknick mit perfekt vorbereiteten Snacks und Kerzenschein für eine Verlobung. Man braucht kein perfektes Outfit und keine perfekte Frisur (Ich hatte sogar nicht mal geduscht). Es geht um die Entscheidung der radikalen Annahme und Liebe füreinander. Ich bin für meinen nun Verlobten unendlich dankbar und ich wünsche mir, dass ich mich an dieses Erlebnis immer dann erinnere, wenn ich wieder versucht bin, in meine Welt der Unzufriedenheit einzutauchen. Ich hoffe, es hat auch dir gezeigt, dass das Leben unverhofft schön sein kann - nimmst du es wahr? Niemals hätte ich gedacht, dass ich mich in diesem Urlaub verloben werde. 

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