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Diese Woche ist bei mir gar nichts in Ordnung. Ich stehe kurz vor der Periode und meine Hormone sind im Keller. 18 Gründe habe ich gefunden, warum ich nicht gerne eine Frau bin. An diesen Punkt komme ich oft, doch dieses Mal ist es heftiger als sonst. Mir fehlt komplett die Freude und ich kann mein Frausein und meinen Körper und meinen Zustand nicht annehmen. Es ist ein innerlicher Kampf und ich stehe ständig vor einem Tränenausbruch. Warum bin ich so gemacht? Warum fühle ich mich oft so gefangen in meinen Gedanken und in meinem Körper? Ich kann mich selbst nicht leiden und beeinflusse mein Umfeld negativ. Wo liegt da der Sinn?
Ich kenne diese ganzen Weisheiten wie „arbeite mit deinem Körper, nicht gegen ihn“ oder „du musst lernen, dich anzunehmen, wie du bist“. Ich weiß, dass ein Schlüssel in der Akzeptanz liegt. Da ich nunmal eine Frau bin und ich es nicht ändern kann, muss ich es akzeptieren. Das bedeutet aber nicht, dass es mir in diesen Situationen leichter fällt. Die Gefühle sind einfach da und überwältigen mich. Ich bin frustriert, genervt, wütend, traurig, enttäuscht. Insbesondere enttäuscht von mir, dass ich in diesen Themen noch keinen reifen Umgang gelernt habe und es immer wieder passiert.
Vor einer Woche habe ich eine Einladung einer Freundin aus Karlsruhe angenommen, bei ihrem Spring Fotoshooting in einem Tageslichtstudio dabei zu sein. Ironischerweise steht dieses Fotoshooting jetzt am Wochenende an. Eine „Frauenaktion“ mitten in meinem Kampf des Frauseins. Etwas trotzig, dass ich genau dann, wenn ich Selbstbewusstsein brauche, auch noch meine Tage habe, entscheide ich mich, mich inmitten meiner negativen Gefühle, auf die Suche nach dem Schönen des Frauseins zu machen. Irgendeinen Grund muss es ja geben.
Ich stehe also auf, dusche, mach mein Make-up und föhne meine Haare, um fototauglich auszusehen. Gestern Abend habe ich sogar meine Nägel lackiert, was ich sonst nur für besondere Anlässe mache. Es ist mir sonst viel zu aufwendig. Nun gut, ich fahre mit dem Fahrrad los - es regnet. Na toll, das Föhnen hätte ich mir sparen können, da durch die Luftfeuchtigkeit eh alles grizzelig wird. Ich bin etwas genervt und innerlich angespannt. Die Hausfassade von außen sieht unscheinbar aus. Innen erwarten mich drei Freundinnen, die bereits am shooten sind. Im Hintergrund läuft entspannte Musik. Es stehen verschiedene Blumen auf dem weißen, runden Tisch. Das Studio ist modern und minimalistisch eingerichtet mit großen hellen Vorhängen vor den bodentiefen Fenstern, die auf die kleine Seitenstraße blicken lassen. Ein beiges Sofa aus Teddy Stoff, Stühle in Rattan-Optik sowie ein Hocker aus Holz bieten verschiedene Sitzpositionen für die Bilder. Es gibt unterschiedliche Farben als Hintergründe, wir entscheiden uns für ein helles beige. Ich trinke erstmal ein Glas Sekt, um locker zu werden. Die anderen Mädels sehen so schön aus, sie haben ihren eigenen Stil. Für mich wirkt es so, als ob sie sich vor der Kamera wohl fühlen. Ich frage mich, ob es eine gute Idee war, herzukommen. Ich habe meine lange weite braune Hose an und ein weißes Tshirt mit brauner Teddy-Weste. Eigentlich mag ich das Outfit, aber vor Ort bin ich mir plötzlich nicht mehr sicher, ob es die richtige Wahl war. Hätte ich eher etwas schickeres anziehen sollen, um professioneller auszusehen? Jetzt ist es zu spät. Im Nebenraum lege ich meine Sachen ab und tausche mich mit einer Freundin kurz aus, wie es mir geht. Ich bin ehrlich und erzähle ihr von meinen Struggles. Sie kann es verstehen und macht mir Mut, das Shooting ganz entspannt zu sehen und auf mich zukommen zu lassen. Wir sind alle am Lernen und Ausprobieren. Eine Restanspannung bleibt, die auch vor der Kamera nicht weichen will. Wir probieren verschiedene Settings aus. Ich fühle mich immer noch unwohl und unnatürlich, kann meinen Gesichtsausdruck nicht richtig steuern. Aber ich lasse mich drauf und und versuch es einfach. Wie die Fotos wohl aussehen werden? Ob ich mich schön finden werde? Ich weiß es nicht. Ich bin erstmal froh, dass ich mutig war.
Nachmittags gehe ich bisschen shoppen, weil ich neue Hosen brauche. Die Auswahl an Läden und verschiedenen Kleidungsstücken ist überwältigend. Lockere Blusen, Tops, kurze und lange Röcke, enge und weite Hosen, Teddy Jacken und Pullover, Westen ohne Ärmel, Mäntel, Blazer… dahingehend wirkt der Kleiderschrank meines Freundes mit Tshirt, Pulli und kurzen/ langen Hosen ziemlich beschränkt. Ich würde sagen: Pluspunkt für das Frausein in Punkto Ausdruck durch Kleidung.
Am Abend beschließe ich vor dem Schlafen gehen, von Montag bis Freitag ein Intervallfasten auszuprobieren, das heißt, nur eine Mahlzeit am Tag abends einzunehmen und den Rest des Tages, auf feste Nahrung zu verzichten. Ich möchte mein Herz wieder neu auf Gott ausrichten weil ich merke, dass das Thema Frausein und Annahme bei mir ein großes Thema geworden ist und ich darin noch nicht den guten Plan Gottes erkenne.
Am Ende des Tages habe ich zwar keine 18 Gründe für das Frausein gefunden, meinen Blick jedoch erstmal geweitet für das Schöne am Frausein. Ich bin gespannt, welche Erkenntnisse und Veränderungen nach dieser Fastenwoche noch auf mich warten.